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Wiederansiedlung Trollius europaeus (Trollblume)

Im Hochsauerland haben die Trollblumenbestände in den letzten Jahrzehnten sehr stark abgenommen, einige Populationen sind erloschen. Im Spätherbst 1997 hat deshalb die Biologische Station Hochsauerlandkreis einen im Namenlosetal (bei Silbach nahe Winterberg) fast erloschenen Trollblumen-Bestand (1995 noch lediglich 4 Pflanzen, davon 2 blühend) über Auspflanzung von über 100 vom Fachbereich Biologie der Philipps-Universität Marburg (Naturschutz II, Peter Poschlod, Christina Mengel) angezogenen Pflanzen der Region gestützt. Die im Winter 1996/1997 im Rahmen einer Diplomarbeit (Standorts- und populationsökologische Untersuchungen an Trollius europaeus L. im nördlichen Rothaargebirge; Diplomarbeit von N. Kowarsch bei P. Poschlod)) zahlreich angefallenen Trollius-Keimlinge bzw. -Sämlinge wurden weiterkultiviert und im Spätherbst 1997 (5. November) durch Mitarbeiter der Biologischen Station Hochsauerlandkreis ausgepflanzt. Die Spenderpopulationen sind bei Kowarsch 1997 ausführlich beschrieben. Im Jahr 2003 (20.05.) konnte die Biologische Station Hochsauerlandkreis im Namenlosetal lediglich noch 13 Trollius-Horste auffinden. Ein im Juni 2013 durchgeführtes Bestandsmonitoring zählte 58 Trollius-Individuen (N. Kowarsch): 29 Individuen haben geblüht. Unter den 29 vegetativen Pflanzen fanden sich 2 größere Altpflanzen und 18 Jungpflanzen. Unter den Jungpflanzen waren 5 Individuen, die erst in diesem Frühjahr gekeimt sind ("Dreilappenstadium": erstes Laubblatt vorhanden, welches im Gegensatz zu den weiteren Laubblättern lediglich dreilappig ist). 16 Jahre nach der Bestandsstützungsmaßnahme weist die Winterberger Population somit eine Populationsstruktur auf, die auf diesem alle zwei bis drei Jahre gemähten feuchten bis nassen Standort eine weitere dynamische Bestandsentwicklung erwarten lässt.

Im Zeitraum 2013 bis 2015 sind für weitere sieben stark im Rückgang begriffene und mittlerweile von Extinktion bedrohte Trollius-Bestände im Hochsauerland (Raum Winterberg: Helletal, Orketal, Büretal sowie Sonneborn und Nuhnetal) bestandsstützende Maßnahmen erfolgt: Nach Saatgut-Sammlung im Jahr 2013, Kältestratifikation bzw. Keimungsinduktion durch Gibberellinsäure 2013/2014 wurden die Keimlinge/Sämlinge im Frühjahr 2014 in Kulturerde pikiert. Im Botanischen Garten Marburg sind die getopften Trollius-Individuen 1,5 Jahre weiterkultiviert und Anfang Oktober 2015 in einem 2 x 2 m-Raster an den ursprünglichen Standorten wieder ausgepflanzt worden. Jedem gepflanztem Individuum der F1-Generation kann die Mutterpflanze eindeutig zugeordnet werden. Die Mutterpflanzen sind ebenfalls dezimetergenau verortet. Ein Monitoring (einschließlich populationsgenetischer Begleitung) dieser bestandstützenden Maßnahmen wird angestrebt.

Im November 2015 erfolgte darüber hinaus eine Trollius-Wiederansiedlung an verschiedenen Standorten im Winterberger Raum auf Basis von Saatgut (von 85 Mutterpflanzen) der Trollius-Population "Unteres Helletal (I)" über Auspflanzung von im Botanischen Garten Marburg angezogenen 0,5 Jahre alten Trollius-Individuen.

Bestandsstützende Maßnahmen bzw. Wiederansiedlungen wurden auch mit Pflanzen aus dem Botanischen Garten Regensburg (Herkunft: Sippenauer Moor; BG Regensburg: P. Poschlod) und mit Pflanzen aus dem Botanischen Garten und Botanischem Museum Berlin-Dahlem (Herkunft: Märkisch-Oderland; BGBM Berlin: A.-D. Stevens) durchgeführt.


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Online: http://www.ex-situ-erhaltung.de/wiederansiedlung/t/trollius-europaeus/ [Datum: 24.01.2018]
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