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Hier finden Sie Erhaltungskulturen von 600 Arten in über 3.000 Akzessionen. Zu den 91 fett gedruckten Arten informieren wir ausführlich über Biologie, Kulturansprüche, haltende Gärten/Einrichtungen und Wiederansiedlungen.

Succisa pratensis (Teufelsabbiss)

Succisa pratensis

© A. Mrkvicka, NHM Wien
Der hochauflösende Download ist unter einer Creative Commons Namensnennung zur nicht-kommerziellen Nutzung verfügbar.

Biologie

ArtSuccisa pratensis
VerbreitungEuropa, West-Sibirien (floraweb.de 2011)
Verbreitungskartekeine Angabe
Höhenverbreitungplanar-collin (Flach- und Hügelland) oder indifferent (floraweb.de 2011)
Natürlicher StandortFeuchtwiesen (Schwerpunktvorkommen), Zwergstrauchheiden und Borstgrasrasen (Hauptvorkommen), Hochstaudenfluren und Gebüsche der Gebirge (Hauptvorkommen), Bruch- und Auenwälder (Nebenvorkommen) (floraweb.de 2011); auf wechselfeuchten, basenreichen, neutral-mäßig sauren, humosen Lehm- oder Tonböden oder modrigen Torfböden (Oberdorfer 1990); die Vitalität nimmt bei saureren Böden stark ab (Mix et al. 2006), vermutlich wegen Ammonium-Toxizität (Van den Berg et al. 2005); Pflanzen aus großen Populationen waren robuster gegenüber Ammonium-Eutrophierung als solche aus kleinen Populationen (Kulturversuch im Topf, Vergeer et al. 2003), vegetatives Wachstum und Samenproduktion wurden zwar gefördert, aber Samengewicht, Keimung und reproduktive Fitness wurden negativ beeinflusst sowie Pilzbefall und Mortalität begünstigt (ebda.), während Versauerung allgemein nur geringe Effekte hatte (ebda.); P war bei einem Düngungsversuch (Norwegen, Moorwiesen) stärker wachstumslimitierend als N (Oien 2004); Düngung verdrängte die Art aus Moorwiesen (Pauli et al. 2002).
MykorrhizierungArbuskuläre Mykorrhiza (Harley & Harley 1987a, 1987b, Eriksen et al. 2002)
Beschreibung der Pflanze15-30(-80) cm, Wurzel aufrecht, wie abgebissen, unten absterbend (Name!), Stg glatt, ohne Ausläufer, Blätter längl. lanzettl., Blütenköpfe flach, Blüten 4-spaltig, dklblau, Köpfchenboden halbkugelig, mit Spreublättern, Innenkelch der Blüte 5-borstig, Außenkelch 4-kantig, rau behaart, stachelspitzig (floraweb.de 2012)
LebensformHemikryptophyt, sommergrün (floraweb.de 2011)
Lebensdauerausdauernd (plurienn-pollakanth) (biolflor.de 2011)
Samenbanktransient, kurzfristig persistent (Samen überdauern länger als 1 Jahr, aber weniger als 5 Jahre), permanent (Samen überdauern länger als 5 Jahre), durchschnittliche Samendichte 37-1205 Samen/qm, Tiefe bis 30 cm (Thompson et al. 1997); Samen überlebten nur zu sehr geringen Anteilen mehr als 10 Monate (Vergrabe-Experiment), daher transiente Samenbank (Jensen 2004)
BlütezeitHochsommer (floraweb.de 2011); Juli-September (biolflor.de 2011); Juli-November (LLUR 2008)
Bestäubung durchInsektenbestäubung (floraweb.de 2011); Selbstbestäubung (biolflor.de 2011)
Kompatibilitätselbstkompatibel (biolflor.de 2011)
Blütenbiologiealle Blüten zwittrig (hermaphroditisch), in der Regel gynodiözisch, Blüten erst männlich, später weiblich, Überlappung unklar (proterandrisch) (biolflor.de 2011)
Ploidien=9,10 (floraweb.de 2011); 2n=18 (biolflor.de 2011); 2n=20(16,18) (Oberdorfer 1990)
FruchtNuss (biolflor.de 2011)
SamenreifeSeptember-Dezember (BioPop, zit. nach bayernflora.de 2012)
Samengröße4,8 x 1,4 x 1,1 mm (biolflor.de 2011)
Samengewicht1,4 mg (biolflor.de 2011); 2,04 ± 0,39 mg (Jensen 2004)
SamenmorphologieFrüchtchen mit Zusatzbildung, nicht heteromorph (biolflor.de 2011); Samen spindelförmig, mit Borsten (LLUR 2008)
SamenausbreitungKlettausbreitung, Ameisenausbreitung, Windausbreitung (floraweb.de 2011); Windausbreitung nur über kurze Distanz (Soons & Heil 2002)
Reproduktionmeist generativ, selten vegetativ (biolflor.de 2011); Die Keimung war unbeeinflusst von unterschiedlichen Nutzungstypen (Stammel et al. 2006); Keimung war erhöht durch Entfernen der Vegetationsdecke (Isselstein et al. 2002); Kälte-Stratifikation war nötig zur Überwindung der primären Dormanz, aber Keimung war nicht signifikant von der Temperatur beeinflusst, aber vom Licht gefördert (Jensen 2004); Keimlingsetablierung ist der Flaschenhals bei der sexuellen Reproduktion (Jongejans et al. 2006).
Gefährdungkeine Angabe
Rote Liste Deutschlandungefährdet (floraweb.de 2011)
GefährdungsursachenStickstoffeintrag, Nutzungsintensivierung (Benkert & Klemm 1993, Korneck et al. 1996); Aufgabe der Heidewirtschaft, Brachfallen von Feuchtwiesen, Entwässerung (LLUR 2008)
PflegemaßnahmenBrache fördert Blütenmenge und Samenproduktion sowie im Gefolge auch Keimlingsaufkommen um das 3fache (Billeter et al. 2003); Wiederaufnahme der Mahd nach länger andauernder Brache reduzierte das Keimlingsaufkommen in Mooren der schweizerischen Alpen (Billeter et al. 2007); bei Mahd wurden mehr Keimlinge gefunden als bei Beweidung (Schweizer Alpen, Bühler & Schmid 2001) und intensivere Beweidung war besonders negativ für die Dichte adulter Individuen und etliche demografische Parameter (ebda.).
Schutzstatusnicht besonders geschützt (floraweb.de 2011)
VerantwortlichkeitDeutschland hat keine besondere Verantwortlichkeit (floraweb.de 2011)
SonstigesNektarpflanze für Maculinea alcon (Lungenenzian-Ameisenbläuling), Maniola jurtina (Großes Ochsenauge) Minois dryas (Blaukernauge), Zygaena trifolii (Feuchtwiesen-Blutströpfchen) und Boloria selene (Sumpfwiesen-Perlmuttfalter), Raupenfutterpflanze für Euphydryas aurinia (Abbiß-Scheckenfalter) und Autographa gamma (Gammaeule) (floraweb.de 2011); es gibt zu dieser Art etliche Arbeiten zur Populationsgenetik (z.B. Hooftman et al. 2004, Vergeer et al. 2004) und Modellierung (z.B. diverse Arbeiten von T. Herben & S. Münzbergova); Aufbewahrung der Samen bei niedrigen Temparaturen reduziert die Keimfähigkeit (Kotorová & Leps 1999, zit. nach Soons & Heil 2002).

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Kulturansprüche

ArtSuccisa pratensis
Kultureinfach
Wasserbedarf:wechselfeuchter Boden (Jelitto 1990); etwas feuchter Boden (Köhlein 1994); mäßig feuchter Boden, der während der Wachstumszeit dauerhaft feucht ist (Brickell 2000, Angaben nur zur Gattung); feuchter Boden (Phillips & Rix 1991, PFAF 2012 2012); feucht bis nass, auch stark wechselnde Grundwasserstände gut ertragend (LLUR 2008)
Nässeempfindlichkeit:keine Angabe
Dürreempfindlichkeit:keine Angabe
pH-Spezifik:etwas saurer Boden (Jelitto 1990); kalkreiche Böden (LLUR 2008)
Substratspezifik:sandiger, torfiger oder lehmig-humoser Boden (Jelitto 1990); torfiger Boden (Brickell 2000, Angaben nur zur Gattung); torfiger Boden bevorzugt (Phillips & Rix 1991, PFAF 2012); humoser Boden (LLUR 2008)
Nährstoffbedarf:armer bis mäßig fruchtbarer Boden (Brickell 2000, Angaben nur zur Gattung); kommt an nährstoffarmen Standorten vor (LLUR 2008)
Nährstoffempfindlichkeit:unbedingt wenig gedüngter Boden (Jelitto 1990)
Temperaturansprüche:frosthart bis -15°C (Brickell 2000, PFAF 2012); bis -20°C (Phillips & Rix 1991)
Lichtbedarf:sonnig bis halbschattig (Köhlein 1994, PFAF 2012); sonnig bis leicht schattig (LLUR 2008)
Schädlingsprobleme:keine (Brickell 2000, Angaben nur zur Gattung)
Vermehrung durch:im Herbst oder Frühjahr in Töpfen im Kalten Kasten säen, im Frühling grundständige Stecklinge bewurzeln (Brickell 2000, Angaben nur zur Gattung)
Keimungsansprüche:Keimung erfolgt bald nach der Aussaat, auch nach längerer Trockenlagerung keimen die Samen zu hohem Prozentsatz, Samen locker in 3-5 cm großen Abständen aussähen (LLUR 2008); Samen zeigen physiologische Dormanz, optimale Keimungstemperatur 22/15°C, höherer Keimerfolg bei Beleuchtung (Mass 1989, zit nach Baskin & Baskin 1998)
Keimungszeit:keimt relativ bald (LLUR 2008)
Hybridisiert mit:keine Angabe
Kritische Lebensphasen:keine Angabe
Sonstiges-

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Haltende Gärten / Einrichtungen

1.) Ökologisch-Botanischer Garten der Universität Bayreuth

IPEN Level Zugang Herkunft Wiederansiedlung Web Bem.
DE-0-BAYRT-98064011998Sachsen, Vogtlandkreis, Steinsdorf

2.) Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem

IPEN Level Zugang Herkunft Wiederansiedlung Web Bem.
DE-0-B-200118711987Berlin, Spandau, Spandauer Forst, EiskellerBerlin, Spandau, Spandauer Forst, Eiskeller, Kienhorst
DE-0-B-295068511985Baden-Württemberg, Konstanz (Kreis), Wollmatinger Ried

3.) Botanischer Garten der Technischen Universität Dresden

IPEN Level Zugang Herkunft Wiederansiedlung Web Bem.
DE-0-DR-01121521997Sachsen, LK Bautzen

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Wiederansiedlung Succisa pratensis (Teufelsabbiss)

Bei Spandau (Berlin) wurden 1990 und 1992 insgesamt 282 Pflanzen an 4 Stellen ausgebracht, davon an 2 Stellen von je 6 qm nach vorheriger Entfernung der Grasnarbe einschließlich der oberen Bodenschicht. Auf diesen Flächen entwickelten sich die Pflanzen zunächst gut (geringe Verluste durch Wildverbiss), gingen auf einer der Flächen 1992 durch Trockenheit aber komplett verloren. Die übrigen Ansiedlungen zeigten schnell Naturverjüngung, soweit Samen angesetzt wurden (Wildverbiss schränkte den Ansatz ein). 2008 war in dem Bereich jedoch kein einziges Exemplar der Art mehr aufzufinden, wobei nicht klar ist, ob der zu starke Verbissdruck oder falsche Standortwahl oder weitere Faktoren ausschlaggebend waren. Eine natürliche Verjüngung in diesem Bereich wird jedoch wegen der stark verfilzten Pflanzendecke als nahezu unmöglich eingeschätzt. Alle Pflanzen stammten aus Erhaltungskulturen des BGBM Berlin (Bunde 2008).


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Online: http://www.ex-situ-erhaltung.de/pflanzenarten/s/succisa-pratensis/ [Datum: 20.09.2017]
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