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#1 Re: Ex-Situ-Erhaltung » genetisch rein » 27.08.2012 10:37

Zur beiden Fragen gibt es nicht allzu viele belastbare Daten.
Die Pollentransportdistanz durch Blütenbesucher wurde nicht oft untersucht. Es gibt aber eine Studie an zwei heimischen Orchideen, Himantoglossum hircinum und Dactylorhiza sambucina (Kropf & Renner 2008, Oecologia 155: 497-508), die sich dieser Frage widmet. Die dort gefundenen maximalen Pollentransportdistanzen sind 6,90 m bei Himantoglossum (durch solitäre Bienen der Gattung Andrena) und 176 m (!) bei Dactylorhiza durch Hummeln. Da A. morio ebenfalls durch Hummeln bestäubt wird (eine Angabe aus Öland, gefunden in der Flora Baden-Württembergs, Band 8), muss man bei ihr wohl ebenfalls mit erheblichen Pollenausbreitungsdistanzen rechnen. In der Arbeit von Kropf & Renner gibt es auch eine Übersichtstabelle, aus der hervorgeht, dass zuvor nur einmal die Pollenausbreitungsdistanz bei einer „heimischen“ Orchidee untersucht wurde (Cypripedium calceolus, max. 23 m durch Bienen, eine Studie in Kanada, darum die Gänsefüßchen). Generell heißt es, dass größere Blütenbesucher auch weiter fliegen, und Hummeln sind ja ziemlich groß.
Andere Studien zeigen, dass Bienen Pollen bis zu 300 m weit transportieren (Neuseeland, Brassica rapus, Rader et al. 2011, Diversity and Distributions 17: 519-529), zwischen einzeln stehenden tropischen Bäumen sogar bis zu 4 km weit (Fuchs et al. 2011, Conservation Genetics 12: 175-185).
Die Frage, genetische Reinhaltung oder Mischung unterschiedlicher Herkünfte, wurde schon gelegentlich experimentell untersucht. Eine unveröffentlichte Studie vom Bodensee (Fischer & Mitarb., Ranunculus reptans) ergab, dass Ansiedlungen aus gemischten Herkünften nach 6 Jahren besser dastanden als nicht gemischte, wobei sich alle Ansiedlungen aber zuvor ähnlich entwickelt zu haben scheinen, bis es eine Winterdürre gab, die dann erst den Unterschied zum Vorschein brachte. Eine Studie in den Niederlanden an Arnica montana (Vergeer et al. 2005) und Succisa pratensis (Vergeer et al. 2004, beide Titel stehen schon in der Literaturliste) zeigte ebenfalls einen besseren Erfolg bei gemischter Herkunft, allerdings bei Succisa mit der Einschränkung, dass lokal angepasste Pflanzen noch besser gediehen. Für die Praxis heißt dass, wenn man lokal angepasstes Material hat, das genetisch noch einigermaßen divers zu sein scheint, nimmt man das; wenn nicht, stellt man aus möglichst diversen (also großen) Quellpopulationen einen möglichst vielfältigen Genpool zusammen und lässt dann die natürliche Selektion ihr Werk verrichten.
Wie genetisch divers Reliktpopulationen sind, ist nicht immer klar. Wir waren vor einigen Jahren ziemlich überrascht, als die kleinen bis kleinsten Reliktpopulationen von Scorzonera humilis in Brandenburg eine durchaus befriedigende genetische Diversität zeigten (Gemeinholzer & Mitarb., unpubl.).
Im konkreten Fall ist es für mich schwer abzuschätzen, ob Reinhalten oder Mischen besser ist. Was auch immer Sie machen werden: Es wäre prima, wenn die kurz- und langfristigen Resultate hier (wenn nicht sogar gedruckt) veröffentlicht würden! Wenn hier, dann gerne zunächst hier im Forum, und wir können die Daten dann ja sukzessive hinüber in den Block „Wiederansiedlung“ schaufeln.

#2 Ex-Situ-Erhaltung » Kulturbedingungen » 02.08.2012 10:05

Michael Burkart
Antworten: 1

Herzlich willkommen, wir freuen uns über Beiträge!

#3 Ex-Situ-Erhaltung » Wiederansiedlung » 02.08.2012 10:03

Michael Burkart
Antworten: 6

Wir sind gespannt auf die Beiträge.

#4 Re: Ex-Situ-Erhaltung » Willkommen » 02.08.2012 10:00

Wir sind schon sehr gespannt, wer alles diese Seite nutzen wird.

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