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#1 Ex-Situ-Erhaltung » Populationsgrößen » 14.10.2012 13:14

Jürgen Griego
Antworten: 2

Seit einiger Zeit frage ich mich, welche Individuenzahl aus Nachzucht vom Standort unbedingt notwendig sind um die genetische Breite einer Naturpopulation erhalten zu können. Natürlich ist eine möglichst individuenreiche Nachzucht erstrebenswert. Da jedoch viele Arten in ihrem Bestand nicht gesichert sind kommt dabei eine große Herausforderung auf die entsprechneden Gärten zu. Ich gehe davon aus, daß die botanischen Gärten heutzutage durch ihre verschiedenen Aufgaben häufig an der Grenze zwischen Wünscheswertem und Möglichem arbeiten.

Sehr anspruchsvolle Arten brauchen viel Arbeitszeit durch intensive Pflege und Betreuung, sowie besondere Kulturflächen (z.B. Anzucht im alpinen Kalthaus in der Jungpflanzenphase, phasenweise Zusatzbelichtung...), die nur begrenzt zur Verfügung stehen. Gibt es eine generelle Minimumpopulationsgröße oder ist das auch von Art, Gattung und Populationsgröße am Standort abhängig und dadurch variabel?

#2 Re: Ex-Situ-Erhaltung » genetisch rein » 27.08.2012 20:16

Danke für die ausführliche Antwort.
Die nachgezogenen morios stehen getopft in einem frostfreien Alpinhaus. Dadurch werden insbesondere winterliche Verluste durch Kahlfröste vermieden. Außerdem findet auch in der winterlichen Ruhezeit ein geringes Wachstum statt, welches die Pfanzen stärkt. Bisher ist nur die Nachzucht vom ersten Standort blühfähig. Daneben steht ein größerer Bestand italienischer Orchideen, darunter viele Anacamptis papilionacea und longicornu. Die Blütezeit hat sich bei diesen dreien überschnitten. Bei schönem Wetter flogen viele Hummeln durch die geöffneten Fenster ein und flogen kreuz und quer alle offenen Blüten an. Eigentlich wollte ich die nächste Nachzucht von Samen der kultivierten Pflanzen machen um den Standort zu schonen. Wegen der wahrscheinlichen Hybridisierung habe ich auf Aussaat dieses Jahr verzichtet und die Arbeit lieber in die Saat vom anderen Standort gesteckt.

Auf Dauer wird man in Kultur eine Vermischung mehrerer Herkünfte einer Art bei hummelbestäubten Spezies nur durch Aufstellung in mit Netzen bespannten Gestellen während der Blütezeit vermeiden können. Die Pflanzen müssten von Hand bestäubt werden, was einen recht hohen Aufwand bedeutet. Meiner Meinung nach sollten die verschiedenen Herkünfte soweit möglch separiert werden. Vermischen kann man später immer noch.

#3 Ex-Situ-Erhaltung » genetisch rein » 23.08.2012 21:37

Jürgen Griego
Antworten: 4

Hallo

mich würde interessieren mit welchem Abstand Pflanzen der gleichen Art von verschiedenen Herkünften kultiviert werden müssen um eine Vermischung durch Fehlbestäubung zu vermeiden? Gibt es Erfahrungen zur Reichweite mit Pollen beladener Insekten? Konkret geht es um Anacamptis morio aus 2 benachbarten Landkreisen in Mittelhessen.

In früheren Zeiten war diese Art im Bereich der Mittelgebirge eine gemeine Art. Es erfolgte ein regelmäßiger genetischer Austausch. Die Art konnte höchst wahrscheinlich auch immer wieder neue Biotope erobern. So gab es wahrscheinlich eine regelmäßige genetische Durchmischung. Diese ist auf den wenigen, verbliebenen Standorten zumindestens sehr eingeschränkt. Wäre es evt. nicht sogar vorteilhaft solche, isoliert vorkommende Arten in Kultur genetisch zu vermischen?

Mich interessieren nicht nur Erfahrungen, sondern auch Meinungen zu der Problematik.

Grüße
JG

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